"There's no reason this couldn't be as big as Ebay."
(Airbnb-Investor Paul Graham (Y Combinator) über Airbnb in einer Email an VC Fred Wilson (Union Square Ventures).)
Schaut man sich Airbnb oder seine deutschen Pendants Wimdu und 9flats an, fällt schnell die Ähnlichkeit des Konzepts auf einer grundlegenden Ebene zur Auktionsplattform eBay auf.
Auf Airbnb und den deutschen Konkurrenten werden zwar keine Wohnungen versteigert (Das kommt vielleicht noch?), aber wie auch eBay leben diese Angebote davon, dass Privatpersonen, Amateur oder Nebenherunternehmer, als Anbieter auf Kunden treffen, auf die sie ohne die Plattform nie gestossen wären.
Wie eBay haben Airbnb und co. einen vorher nicht existenten Markt aufgemacht. Der Markt für Unterkünfte abseits des Hotelgeschäfts.
Wie eBay leben Airbnb und co. davon, dass das für die Transaktionen notwendige Vertrauen über die Bewertungen von Nutzern durch andere Nutzer aufgebaut wird. Zusätzlich helfen Anbindungen an Netzwerke wie Facebook, um etwa wenn möglich nur Unterkünfte bei Freunden von Freunden zu buchen.
Wie eBay sind Airbnb, Wimdu und 9flats Teil eines größeren Trends, der P2Pisierung der Wirtschaft, wie ich auf neunetz.com vor einigen Tagen geschrieben habe:
"Sie ermöglichen unterschiedlichen Parteien, die früher nur über Mittelsmänner in Kontakt treten konnten, jetzt direkt miteinander zu interagieren. In manchen Fällen kommen sogar neue Parteien, neue Marktteilnehmer, dazu. Das senkt die Transaktionskosten und hebt somit die Gewinne für die Beteiligten und greift so die umgangenen Instanzen an. Zweiseitige Märkte statt Gatekeeper."
Zumindest Airbnb wächst als Vorreiter dementsprechend schnell. Laut eigenen Aussagen sind die über Airbnb gebuchten Nächte im Januar 2012 gegenüber Januar 2011 um 500% gewesen. Bemerkenswert ist bereits heute die Abdeckung an verfügbaren Wohnungen im natürlicherweise experimentierfreudigen San Francisco:
Insgesamt wurden über Airbnb über 4 Millionen Übernachtungen 2011 vermittelt.
Wie auf eBay können auch auf Airbnb Anbieter gut Geld verdienen. In New York ansässige Anbieter verdienen auf Airbnb im Durchschnitt 21.000 US-Dollar pro Jahr. Venturebeat:
"New Yorkers using Airbnb to rent out their apartments, extra bedrooms and even couches — more than 10,000 in total — are now making, on average, $21,000 per year in income, Chesky said.
Some local listers make as much as $100,000 per year, he added. “That’s transformative income.” "
Airbnb verlangt kein Geld für das Einstellen einer Wohnung. Stattdessen kassiert der Dienst drei Prozent für jede Reservierung. Die buchenden Nutzer zahlen 6 bis 12 Prozent der Buchungsgebühr.
Wie lang wird es noch dauern, bis sich Hotels genötigt sehen, auch auf Airbnb zu inserieren, wo sie dann auf der gleichen Plattform zu gleichen Konditionen mit Nebenherunternehmern konkurrieren müssen? Zumindest in den Airbnb-Hochburgen dürfte der Sog der Plattform bald groß genug sein.
Der Anfangs erwähnte Airbnb-Investor Paul Graham in einer weiteren Email an Fred Wilson:
"I bet you they will get hotel seventually. It will start with small ones. Just wait till all the 10-room pensiones in Rome discover this site. And once it spread sto hotels, where is the point (in size of chain) at which it stops? Once something becomes a big marketplace, you ignore it at your peril."
Es ist allerdings auch nicht alles rosa im Land der Übernachtungsvermittler: Letztes Jahr machte Airbnb negative Schlagzeilen mit einer Kundin, deren Wohnung von Betrügern, an die sie ihre Wohnung über Airbnb vermietet hatte, verwüstet wurde. Airbnb versuchte, der Geschichte erst einen positiven Spin zu geben, um schließlich einzulenken und Anbietern mittlerweile die Option anzubieten, eine Versicherung für ihre Wohnung über 50.000 US-Dollar abzuschliessen.
Seit kurzem bietet Airbnb neben der mobilen Site und einer iPhone-App auch eine Android-App an.
Airbnb hat im Juli 2011 112 Millionen US-Dollar von unter anderem Andreesen Horowitz erhalten. Insgesamt beträgt das investierte Risikokapital 120 Millionen US-Dollar.
Rocket Internet sucht währenddessen nach Milliarden um unter anderem Wimdu voranzutreiben. Und T-Venture, der Risikokapitalgeberarm der Telekom, hat jüngst in 9flats investiert.


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