Was lehrt uns die jüngst angekündigte Schliessung des Reiseportals joobili? Dass man ein auf den ersten Blick sehr feines Produkt und ein smart geführtes Unternehmen haben kann, und dennoch scheitert. Die finanziellen Hintergründe der Beendigung des Projekts könnt ihr im hochinteressanten Interview mit Jared Salter, dem Gründer von joobili nachlesen, dort wird auch auf die produkttechnischen Probleme eingegangen sowie die Schwierigkeit, mit dem Segment des Special Interest Reiseportals Umsätze zu generieren.
Doch was für Gründe für das Scheitern von joobili lassen sich noch anführen?
Joobili hat Reisen und Destinationen an Events festgemacht. Beispiel: Ein User aus den USA möchte im September verreisen, sucht per Filter urwüchsige Folklore in einem exotischen Land, das Ergebnis: Oktoberfest in München. Optische Aufmachung, GUI, Inszenierung, Emotionalität der Website - das war hervorragend gelöst. Dennoch muss es Gründe geben, neben der Unterfinanzierung, weshalb joobili scheiterte.
Ich möchte folgende Punkte anführen, die für mich evidente Probleme bei Reiseportalen wie joobilii darstellen:
Besuchsfrequenz: joobili merkt an, dass viele Nutzer das Portal nur ein oder zweimal im Jahr aufsuchen – weil sie eben nur genau so oft auch verreisen. Ich muss als Reiseportal Gründe für meine Kunden schaffen, mehr als nur Info für eine anstehende Reise zu konsumieren, und so wiederholt meine Site anzusteuern.
Kooperationen: Ich habe bei joobili immer eine Kooperation mit einer Booking Engine vermisst. Letztlich wird im Segment Reise im Netz das Geld über Reisebuchungen verdient- das hört sich banal an, aber viele Reiseportale ermöglichen genau dies nämlich nicht. Wenn ich eine Destination bewerbe - wie in unserem Beispiel nämlich München - dann will ich doch auch gleich ein Paket angeboten bekommen aus Flug, Hotel, Event.
Ein Portal wie joobili kann eigentlich den Exit nur in der Form suchen, von ener IBE oder einem sozialen Netzwerk gekauft zu werden. Man könnte aber auch sagen, dass der Hype der sozialen Netzwerke joobili den Gar ausgemacht hat – die später eingefügten interaktiven Anwendungen zwischen den joobili Nutzern – too little to late, sagt der Amerikaner. Alles was ich auf joobili suche, bekomme ich im Lonely Planet Forum auch gefunden. Der USP fehlt einfach.
Vielleicht ist es einfach zu eng gedacht, einen Event als Auslöser für eine Reise zu nehmen – der Grossteil der Menschen denkt offenbar nicht so und bucht meines Erachtens auch seine Reisen nicht nach diesem einzigen Auswahlkriterium. Nach wie vor bucht das Gros Pauschalreisen, ob im Reisebüro oder online.
Umsatzbringer – welche hatte eigentlich joobili? Es gab eine mir sich nicht erschliessende Premiumfunktion, sowie Buchungsgebühren für die Anzeige von Veranstaltungen. Es gab noch nicht mal Werbung von Destinationen, Hotels, oder Touren. Wie kann man sein Produkt so eng stricken und das 1x1 der Monetarisierung vergessen? Tourenverkäufer wie getyourguide haben dann das Segment erfolgreich besetzt, und damit war dieser Zug für joobili auch abgefahren.
Klar, es ist einfach aus der Ferne zu urteilen. Aber manchmal frage ich mich dennoch, wieso Start-Ups solche groben Fehler in der Produktentwicklung machen, um dann später investorengedrängt immer haargenau die exakt falsche Richtung einzuschlagen.
Weil es menschlich ist, oder?


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