Das nenne ich für einen Konzern wie die TUI endlich einmal konsequent: Mit der neuen Marke "Michael Poliza Experiences" im Portfolio wird eine sehr kleine, aber auch sehr exklusive Nische des Reisemarkts besetzt. In der Pressemitteilung der TUI könnt ihr lesen, dass Michael Poliza einer der bekanntesten deutschen Naturfotografen ist, und welche Reisen sein von ihm initiiertes Unternehmen anbietet: Individuelle Luxusreisen nach Afrika. Safaris per Hubschrauber oder Flugzeug, in Kenia, Tansania, Namibia, Botswana (u.a.). Man kauft keinen Urlaub, sondern Erlebnisse und Erinnerungen.
Um zu verstehen, wie sehr Nische Luxusreisen nach Afrika mit Preisen ab 12.000 EUR p. Person bedeutet (der Preis allein stellt dies schon anschaulich dar), folgende Zahlen: Der Anteil von Fernreisen ab Deutschland beträgt laut DRV lediglich 6,9%. Die Ankünfte, die aus diesen Fernreisen resultierend in Afrika landen, sind dann nur noch 5%.
Africa Geographic beziffert den Anteil des Umsatzes von Reisen in Afrika, bezogen auf den weltweiten Umsatz, mit nur 3%. Anders gesprochen: Afrika hat fantastische Ziele, Länder, Sensationen zu bieten, aber nur sehr wenige Leute reisen dorthin. Zieht man von diesen Reisenden noch die Pauschalurlauber nach Marokko, Ägypten und Tunesien ab, bleiben als Markt für die neue TUI Marke nur noch ein winziges Segment über. Und genau dieses Segment möchte MPE bedienen.
Ich denke, dass dies für einen Riesen wie die TUI eine mutige, aber letztlich konsequente und richtige Entscheidung ist. Der Reisemarkt wird sich weiterhin in mehr oder wenige grosse Nischen aufsplitten. Das Massengeschäft des Pauschalaurlaubs wird es ebenfalls noch parallel dazu geben, aber hier werden die Margen geringer ausfallen, und der Trend zeigt klar: Dieses Geschäftsmodell hat keine Zukunft.
Zukünftige Nischenmärkte zu besetzen, wo es auch noch Geld zu verdienen gibt, ist also eine gute Idee. Und die TUI scheint hier ihre Hausaufgaben zu machen, wie das Beispiel Intrepid ebenfalls zeigt.
Afrika als Reisemarkt, und hier insbesondere das Luxussegment der Safaris, Fotoreisen, Trekkingtouren wird für eine gutbetuchte Kundschaft an Attraktivität zunehmen, denn es bietet einzigartige Naturerfahrungen und Reiseerlebnisse. Dennoch: Für die Destination südliches und östlches Afrika bleibt zu hoffen, dass die Besucherzahlen überschaubar bleiben und damit der ökologische Impact auf Naturwunder wie die Masai Mara, die Serengeti oder das Okavango Delta gering sind.
Luxustourismus ist für Länder wie Kenia, Namibia, Tansania und Botswana der Weg, ihre Naturwunder zu schützen und diesen Schutz zu finanzieren, ohne den schädlichen Einfluss des Massentourismus. In sofern zeigt die TUI auch ökologisch bezogen einen interessanten Weg auf.


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